HOMÖOPATHIE IN ITALIEN
Italien - besonders die Stadt Neapel – zählt zu den ersten Ländern, die die „neue Medizin“ aufnahmen. 1821 war König Ferdinando I von Neapel gezwungen, die österreichischen Truppen um Unterstützung zu bitten. Im österreichischen Heer gab es auch einige Militärärzte, die die Homöopathie kannten und einsetzten, da diese in Österreich öffentlich praktiziert wurde. Zu Beginn gab es einen wissenschaftlichen Meinungsaustausch, wobei die Königliche Akademie von Neapel später eine zusammenfassende Darstellung der Homöopathie Hahnemanns mit dem Titel „Il sistema medico del Dottor Samuele Hahnemann esposto alla Reale Accademia di Napoli“ (Das medizinische System von Dr. Samuel Hahnemann, präsentiert an der Akademie von Neapel) veröffentlichte.
Necker di Melnik, ein Offiziersarzt, öffnete in Neapel eine homöopathische Praxis, die so einen starken Andrang genoss, dass er unter den Ärzten Neapels neue Anhänger ausbildete. Der erste und engagierteste war Dr. Romani, der dann weitere Kollegen unterrichtete. Er heilte auch die Frau des italienischen Arztes De Guidis, der in Lyon tätig war und bekehrte ihn zur Homöopathie, die auf diese Weise in Frankreich Fuß fasste. De Guidi heilte dann Dr. Mure, der die Homöopathie auch nach Malta, Sizilien, Brasilien, Ägypten und in den Sudan brachte.
Dr. Cosmo Maria De Horatiis wurde zum Leibarzt von König Francesco I ernannt. Da er Homöopath war, wollte er ein Experiment im Krankenhaus „Ospedale della Trinità“ von Neapel durchführen, das von März bis Dezember 1828 dauerte. Er veröffentlichte ein Essay mit dem Titel „Saggio di Clinica Omeopatica“ (Essay über die homöopathische Klinik), in dem er 180 von ihm geheilte Fälle beschrieb. Weitere Experimente wurden von Allopathen boykottiert, die sogar behaupteten, dass durch Homöopathie behandelte Patienten gestorben waren. König Francesco I ging persönlich ins Krankenhaus und sah, dass die Kranken geheilt worden waren, das Volk jedoch glaubte an die falschen Aussagen und griff immer weniger auf die Homöopathie zurück.
Von den 500 homöopathischen Ärzten in Italien im Jahre 1834 blieben 1863 nur noch 184 zurück, gemeinsam mit 14 Apothekern, 2 Krankenhäusern, 5 Ambulanzen, 4 Zeitungen, 2 Akademien und einigen Verbänden. Das abnehmende Interesse an der Homöopathie war auf die Entdeckungen von Pasteur und Koch über Toxine und Immunisierung (Impftherapie und Serumtherapie) zurückzuführen, zwei auch für das normale Volk leichter zugängliche Themen. Da eine Mikrobe eine Krankheit verursacht, genügt es für eine Behandlung, die Krankheit mit einem Medikament abzutöten. Die Krankheit wird dabei immer als etwas angesehen, das außerhalb des Menschen ist bzw. nicht von einem inneren Ungleichgewicht herrührt. Am Ende seiner Karriere stellte Pasteur fest „Le microbe c’est rien, le terrain c’est tout“ - „Mikroben sind nichts, das Milieu ist alles“. Pasteur widerrief nicht sein Leben als Forscher und seine Entdeckungen, vielmehr wollte er einfach darauf hinweisen, dass die Mikroben zweitrangig sind, da sich die Krankheit nur dann manifestiert, wenn die Mikroben ein geeignetes Milieu finden, in dem sie sich entwickeln können.
In den letzten Jahren erfuhr die Homöopathie einen neuen, auf zwei Gründe zurückführbaren Aufschwung.
Erstens erklärt die Entdeckung des Atoms und der Atomenergie, dass das Unwägbare nicht mehr ein abstraktes Konzept, sondern Wirklichkeit ist.
Der zweite Grund ist die starke Zunahme an iatrogenen Krankheiten, die auf den unkontrollierten Gebrauch chemischer Medikamente zurückzuführen ist. Keine chemische Substanz ist für unseren Organismus unschädlich. Aus diesem Grund wenden sich Ärzte und Patienten, die von den ungehaltenen Versprechen über die Wirkung neuer, immer stärker werdenden Medikamente enttäuscht sind, an sanfte Therapien, die die Psyche und das Soma des Individuums respektieren.
In Italien lassen sich etwa 11 Millionen Personen durch Homöopathie; behandeln; allein in der Lombardei sind es über 1,8 Millionen. Mit Ausgaben von über 300 Millionen Euro im Jahr 2007 stellt Italien den dritten europäischen Markt nach Frankreich und Deutschland in diesem Bereich dar. Etwa dreitausend Ärzte haben Spezialisierungskurse im Bereich Homöopathie abgelegt.