Italiano Tedesco

KURZE GESCHICHTE DER PHYTOTHERAPIE

Die Verwendung von Heilpflanzen gehört zu den ältesten medizinischen Therapien.
Der Mensch suchte in den Wäldern nicht nur die Pflanzen, von denen er sich ernähren konnte, sondern auch jene, mit denen er all seine Beschwerden behandeln konnte.
In den antiken Kulturen wurden bei Magien oder Ritualen Pflanzen verwendet und jede Störung galt als Zeichen für ein gestörtes Gleichgewicht zwischen unkontrollierbaren Kräften innerhalb oder außerhalb des Organismus.
In den Hochkulturen wurden jene Geheimnisse über die Pflanzenwelt gesammelt und aufbewahrt, die von den „Alten“ überliefert wurden und mit denen die Menschen jahrhundertelang behandelt wurden. Der „Medizinmann“ wusste am besten über die Natur und die Wirkungen der Pflanzen Bescheid und genoss seit jeher großes Ansehen. In vielen Ländern ist dies heute noch der Fall.

Die ersten historischen Informationen über Heilpflanzen und -kräuter gehen auf die Zeit vor etwa 10.000 Jahre zurück. Inder und Sumerer setzten bereits 5000 Jahre vor dem christlichen Zeitalter Pflanzen und Metalle ein, um die Beschwerden der Menschen zu behandeln. Die ältesten Aufzeichnungen über den Einsatz und die therapeutischen Eigenschaften von Pflanzen stammen jedoch aus China. Ein sehr bekanntes davon ist das Herbarium von Shên Nung (etwa 2700 v. Chr.), das 360 verschiedene Drogen aufzählt. Andere wichtige Dokumente sind die Papyren Ebers und Smith aus Ägypten (etwa 1600 v. Chr.), die 160 Drogen und Heilpflanzen beschreiben wie z.B. Opium, schwarzes Bilsenkraut und Wunderbaum. Die Ägypter kannten über 700 Medikamente sowohl pflanzlicher als auch tierischer Herkunft.
Weitere wichtige Dokumente sind die heiligen Bücher der indischen Kultur (1000-800 v. Chr.), die über 800 medizinisch eingesetzte Drogen aufzählen und einige Keilschriften aus der assyrisch-babylonischen Kultur, in denen unter anderem die Tollkirsche, der Hanf, die Koloquinte, das Opium und die Cassia erwähnt werden. Die Bibel selbst berichtet über den Einsatz in der jüdischen Kultur von Pflanzen wie Ysop und Cedrat bei der Behandlung von Krankheiten. Zudem geht aus archäologischen Forschungen hervor, dass bereits die Chaldäer um 3000 v. Chr. mit Aromen zubereitete Zäpfchen verwendeten.
Die Behandlung mit Heilpflanzen kommt auch in den Texten Homers vor, der in der Ilias und der Odyssee von „Nepenthes“ spricht, einem vielleicht aus Opium hergestellten Trank, der geeignet war, um alle Beschwerden zu vergessen.

Um 500 v. Chr. lobte Xanthos der Lyder die Eigenschaften der wild wachsenden Gurke; Knoblauch wurde von Aristophanes, Dill und Artemisia von Pythagoras empfohlen.

Durch die Expeditionen Karls des Großen konnte die Phytotherapie auch einige fernöstliche therapeutische Techniken mit exotischen Pflanzen entwickeln, darunter vor allem Zimt und Ingwer. Zudem wurde die Medizin durch die therapeutische Praxis der Asklepiaden, des Ärztestandes, um das 5. - 8. Jahrhundert sehr viel pragmatischer.

Die Forschung in den Bereichen Naturwissenschaften und Botanik begann in der von Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) gegründeten Philosophenschule, die sich auf die therapeutischen Techniken der Hippokratischen Medizin stützt. In einigen seiner Werke beschrieb er die Eigenschaften der „magischen Pflanzen“ Lorbeer und der Herkules geweihten Pappel.

Wohlgemerkt wurde die erste systematische Abhandlung über Pflanzenheilkunde „De historia plantarum“ von Theophrast in der griechischen Zeit geschrieben. Es handelt sich dabei um einen schwierigen Text, da die Namen der 500 Pflanzen ganz anders lauten als heute, auch wenn sie sich auf die Stammart und auf die Anbaumöglichkeit der pflanzlichen Spezies beiziehen.

Ein weiterer wichtiger Arzt der griechischen Antike war Hippokrates (ca. 460-377 v. Chr.), der mit seinen Aphorismen, Rezepten, Dosierungen und Diäten das römische Reich und teilweise auch das Mittelalter beeinflusste. Er klassifizierte erstmals 300 Spezies von Heilpflanzen nach ihren grundlegenden Eigenschaften.

Die ersten wissenschaftlichen Werke erscheinen jedoch erst zur Zeit des Römischen Reiches. Darin werden die Pflanzen nicht mehr wie in Hippokrates Schriften in Listen oder in Verbindung mit den Krankheiten angeführt, sondern nach systematischen Kriterien hinsichtlich ihres Gebrauchs, ihrer gewünschten bzw. unerwünschten Wirkung, der Dosierung und der Verabreichungsmethoden.

Zu den weltweit ältesten Gärten bzw. botanischen Gärten gehören jene von Alexandria in Ägypten unter den Ptolemäern (vom 4. bis 6. Jh. v. Chr.) und der wissenschaftliche Garten von Athen um das Jahr 340 v. Chr., den Aristoteles errichten ließ und Theophrast zur Leitung überließ.
In Rom baute man bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. Gärten mit Heilpflanzen an. Zu den bedeutendsten Werken aus dieser Zeit gehören „De medicina“ von Celsus (18 n. Chr.) und das fünfbändige Werk von Pedanios Dioscurides aus Anazarba (1. Jh. n. Chr.) mit dem Titel „De materia medica“, das das gesamte medizinische Wissen jener Zeit enthielt, darunter auch die Eigenschaften der Heilpflanzen. Diese Enzyklopädie genoss im gesamten Mittelalter hohes Ansehen, da darin die Pflanzen erstmals nicht alphabetisch, sondern nach ihren gemeinsamen Charakteristiken angeführt waren.
Die in diesen Werken enthaltenen Beschreibungen wurden oft von philosophischen, magischen und astrologischen Kenntnissen beeinflusst.

Weitere bekannte Persönlichkeiten aus der Zeit des Römischen Reiches sind Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.), dessen Werk „Naturalis historia“ in 37 Bänden eine echte Enzyklopädie ist und noch heute zu den grundlegenden Werken für das Studium der antiken Arzneimittellehre zählt, und Galen (129-201), der berühmteste Arzt der Antike nach Hippokrates. Galen unterschied zwischen dem therapeutischen Einsatz einer einzelnen Pflanze und dem Gebrauch mehrerer Pflanzen zugleich („Komplex“). Dadurch entstand die Bezeichnung „galenische Zubereitung“, die ein Medikament aus mehreren Wirkstoffen pflanzlicher Art darstellte. Erst viel später erhielt der Begriff galenisch die heutige Bedeutung.

Der Gebrauch von Heilpflanzen blieb auch im Mittelalter erhalten, weil vor allem Mönche und Geistliche diesen Bereich der traditionellen volkstümlichen Medizin weiterführten, indem sie in der Nähe ihrer Klöster Heilkräuter anbauten und sammelten. Diese Tradition wird heute immer noch weitergeführt.

Sind Sie Arzt? Besuchen Sie den
Bereich für Fachkreise!

Sind Sie Apotheker? Besuchen Sie den
Bereich für Fachkreise!


Inserire la propria mail:

Inserire la propria mail: